Der Chemiker Franz Kafka
Am 1. Oktober 1901, heute vor 125 Jahren, begann Franz Kafka mit seinen Schulfreunden Hugo Bergmann und Oskar Pollak das Studium an der Deutschen Karls-Universität in Prag. Dr. Franz Kafka, den wir heute als Juristen, Beamten und vor allem natürlich als weltberühmten Schriftsteller kennen, begann seine Universitätslaufbahn jedoch – das dürfte viele überraschen – im Fach Chemie. Der tatsächliche Grund für diese Entscheidung ist unbekannt und wir können hier nur spekulieren. Der Einfluss seiner Schulfreunde kann hier eine Rolle gespielt haben und genauso die Überlegung, dass Juden um 1900 keine umfangreichen Wahlmöglichkeiten in ihrer beruflichen Karriere hatten: sie konnten die freien Berufe wie Arzt, Advokat oder Apotheker wählen, in Handel und Gewerbe Kariere machen oder eine akademische Laufbahn einschlagen.
Hugo Bergmann schreibt in seinen Erinnerung an Franz Kafka:
„Auch den ersten Schritt unserer Universitätsstudien haben wir zusammen getan. Und dies kam so: einem Juden, der die Universität absolviert hatte, blieben unter den damaligen Umständen, wenn er sich nicht taufen lassen wollte, um eine staatliche Karriere einzuschlagen, praktisch nur die freien Berufe übrig: Arzt oder Advokat zu werden. Da wir beide dies nicht wollten, sahen wir uns nach einer anderen Möglichkeit um und man riet uns, Chemie zu studieren, weil für Juden die Möglichkeit bestünde, in die chemische Industrie aufgenommen zu werden.“
(Hans-Gerd Koch, „Als Kafka mir entgegenkam…“, Berlin 2013, S. 24f.)
So stellten sich die drei angehenden Chemiestudenten am 1. Oktober 1901 im deutschen chemischen Institut bei Professor Guido Goldschmiedt vor, der den drei jungen Männern erläuterte – wie damals üblich -, dass das Studium der Chemie im Labor begänne. Praktiker waren alle drei nicht und so besuchte Franz Kafka das Labor des Professor Goldschmiedt nur etwa zwei Wochen bevor er sich um den 21. Oktober herum an der juristischen Fakultät einschreibt. Für ihn ging es nicht weiter, da er die Arbeit im Labor weder ertragen noch meistern konnte. Seine Freunde Hugo Bergmann und Oskar Pollak hielten es etwas länger aus, aber am Ende merkten auch die beiden, dass Sie nicht zu Naturwissenschaftlern taugten und wechselten in die Philosophie.
Hugo Bergmann fährt in seinen Erinnerungen fort:
„Wir hatten beide nicht überlegt, daß man Chemie nicht aus Büchern, sondern im Laboratorium lernen muß. Die Arbeit im Laboratorium war für uns beide nicht leicht, denn unsere Hände waren nicht geschickt genug, mit den chemischen Eprouvetten [Reagenzgläser, Anmerkung Thomas Außem] umzugehen.“
(Hans-Gerd Koch, „Als Kafka mir entgegenkam…“, Berlin 2013, S. 24)
Zumindest stimmte die Chemie zwischen den Freunden, die sich ihr Leben lang freundschaftlich gesinnt blieben.


